Der TGA-Fachkräftemangel gehört weiterhin zu den prägenden Themen der Branche. Aktuelle Studien zeigen, in welchen Berufsgruppen die größten Engpässe bestehen und warum viele Unternehmen offene Stellen trotz einer schwächeren Konjunktur nur schwer besetzen können.
Inhalt
- Technische Gebäudeausrüstung stabil
- Recruiting-Situation: Engpass auf zwei Ebenen
- Diese Profile sind am schwersten zu besetzen
- Lösungsansätze: Vom Kulturwandel bis zur strukturierten Personalberatung
- Fazit
- FAQs
Technische Gebäudeausrüstung stabil
Die Technische Gebäudeausrüstung (TGA) gilt als einer der stabileren Bereiche der Baubranche. Der Bundesindustrieverband Technische Gebäudeausrüstung (BTGA) beziffert den Jahresumsatz der Branche in seinem aktuellen Frühjahrsgutachten auf rund 90 Milliarden Euro. Das spiegelt sich auch am Baukostenanteil wider: Bei vielen Neubauprojekten im Nichtwohnbau entfallen bereits 50 Prozent der Bauinvestitionen auf die Technische Gebäudeausrüstung.
Der B2B/B2G-TGA-Markt soll laut einer Kurzstudie der auf Bau- und Infrastruktur spezialisierten Strategieberatung S&B Strategy bis 2030 mit einer jährlichen Wachstumsrate von rund 8 Prozent zulegen, das TGA-Servicegeschäft (Wartung, Instandhaltung, Notdienst) allein macht davon etwa 20 Prozent beziehungsweise rund 20 Milliarden Euro Marktpotenzial aus.
2025 stieg beispielsweise der Absatz von Wärmepumpen nach Zahlen von BWP und BDH auf 299.000 Geräte, ein Plus von 55 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Erstmals war damit knapp die Hälfte aller verkauften Wärmeerzeuger in Deutschland eine Wärmepumpe. Auch für 2026 rechnet der Bundesverband Wärmepumpe bei gleichbleibender Förderung und Ordnungsrecht mit rund 410.000 verkauften Geräten.
Mit dem am 10. Juli 2026 verabschiedeten Gebäudemodernisierungsgesetz (GmodG) endet zudem eine dreijährige Hängepartie und fällt für TGA-Betriebe der Beratungsvorbehalt weg, der 2024 und 2025 spürbar Aufträge verzögert hatte. Betriebe, die Kunden fundiert zu den jetzt möglichen Lösungen wie Wärmepumpe, Fernwärme, Hybridlösungen und Biomasse fundiert beraten können, haben einen Wettbewerbsvorteil. Parallel entsteht mit dem KI-bedingten Rechenzentrenbau ein Segment, das von Zinsniveau und Wohnungsbaukonjunktur weitgehend unabhängig wächst und enorme Kühlleistung sowie Redundanzplanung erfordert.
TGA gewinnt an Bedeutung und wächst
Quelle Zahlen: S&B Strategy
Grafik: WK Personalberatung
Outsourcing-Trend im Facility Management
Quelle Zahlen: S&B Strategy
Grafik: WK Personalberatung
Recruiting-Situation: Engpass auf zwei Ebenen
Die TGA-Anbieterlandschaft ist fragmentiert. Viele, überwiegend kleinere Betriebe konkurrieren um dieselben TGA-Planer, MSR-Spezialisten und Kältetechniker, ohne über die Personalabteilung oder Reichweite größerer Ingenieurbüros und Konzerne zu verfügen.
Der aktuelle VDI/IW-Ingenieurmonitor (4. Quartal 2025) bestätigt, wie ausgeprägt der Engpass im Planungssegment ist. Im Berufsfeld Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur kamen zuletzt 314 offene Stellen auf 100 Arbeitslose, der höchste Wert aller Ingenieurdisziplinen und noch vor Energie- und Elektrotechnik mit 246 sowie Maschinen- und Fahrzeugtechnik mit 173 offenen Stellen je 100 Arbeitslose.
Ingenieure für Gebäudetechnik sind schwer zu finden
Quelle Zahlen: VDI
Grafik: WK Personalberatung
Besonders aufschlussreich ist der Vergleich mit der Gesamtentwicklung: Die Zahl offener Stellen in Ingenieur- und Informatikberufen brach im Vorjahresvergleich um 18,2 Prozent auf rund 96.760 ein, getrieben von der schwachen Konjunktur, vor allem in Informatik (minus 33 Prozent) und Maschinenbau/Fahrzeugtechnik. Die Bauingenieurberufe, zu denen auch die Gebäudetechnik zählt, gaben dagegen nur um 3,8 Prozent nach. Während sich die Lage in der Informatik und in Teilen der Industrie also spürbar entspannt, bleibt die Gebäudetechnik selbst in einem konjunkturell schwachen Jahr der mit Abstand angespannteste Teilarbeitsmarkt unter den Ingenieurberufen.
Auf der ausführenden Seite zeichnet der KOFA-Fachkräftereport vom März 2026 ein ähnliches Bild. Für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik weist er mehr als 12.200 rechnerisch nicht besetzbare Stellen aus. Gegenüber dem Vorjahr ist die Lücke zwar leicht gesunken, doch bleibt rund jede zweite offene Stelle in diesem Berufsfeld unbesetzbar. Auch hier ist der TGA-Engpass also weiterhin strukturell verankert, während sich der Arbeitsmarkt insgesamt eher abkühlt.
SHK-Fachkräftebedarf wächst durch Energiewende zusätzlich
Quelle Zahlen: VdZ
Grafik: WK Personalberatung
Verschärft wird die Lage durch den demografischen Wandel. Eine Prognos-Studie im Auftrag der VdZ hatte bereits vor Jahren berechnet, dass allein die Energiewende bis zu 130.000 zusätzliche Arbeitskräfte erfordert, ein erheblicher Teil davon im SHK-Bereich. Bis 2035 werde die Fachkräftelücke in der Branche auf rund 30.000 anwachsen, so die Prognose. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima geht davon aus, dass allein für das Ziel von sechs Millionen installierten Wärmepumpen bis 2030 rund 60.000 zusätzliche Monteure benötigt werden.
Diese Profile sind am schwersten zu besetzen
Vier Profilgruppen stechen aktuell laut Einschätzung von auf TGA spezialisierten Personalvermittlern besonders hervor. TGA-Planer und Fachplaner sind durch die technologieoffene Heizungswahl nach dem GModG gefragt, weil Kunden fundierte Beratung zwischen Wärmepumpe, Hybrid und Fernwärme erwarten. MSR- und Gebäudeautomationsspezialisten profitieren vom Rechenzentrenboom ebenso wie von der fortschreitenden Digitalisierung klassischer TGA-Anlagen. Kältetechniker mit Rechenzentrumserfahrung zählen ebenso zu den am stärksten umworbenen Profilen, weil KI-getriebene Rechenzentren enorme Kühlleistung benötigen und entsprechend mit klassischen Kälte- und Klimaanwendungen um dieselben Fachkräfte konkurrieren.
Die am schwersten zu besetzenden TGA-Berufsgruppen
Das Kälteanlagenbauerhandwerk wird daher wenig überraschend weiterhin als Engpassberuf eingestuft, und in der aktuellen VDKF-Konjunkturumfrage sehen fast 40 Prozent der Unternehmen den Fachkräftemangel als die stärkste Einschränkung ihres Geschäftsbetriebs, während Finanzierungsschwierigkeiten nur noch eine untergeordnete Rolle spielen. Analoges lässt sich zu Elektrofachkräften sagen: Diese werden sowohl in der klassischen Gebäudetechnik als auch bei Ladeinfrastruktur und Photovoltaik gebraucht.
Lösungsansätze: Vom Kulturwandel bis zur strukturierten Personalberatung
S&B Strategy führt Recruiting und Hiring als einen von vier zentralen Erfolgsfaktoren, um das TGA-Servicepotenzial auszuschöpfen, gleichrangig neben regionaler Präsenz, strategischem Fokus und Digitalisierung. In den Interviews der Studie benennt ein TGA-Geschäftsführer Fachkräftemangel neben strengeren Bauvorschriften und fehlender Kundennähe als eine der größten Herausforderungen für sein Geschäft.
Ein erster Hebel liegt im Betrieb selbst. Wie eine Kulturveränderung Wirkung entfalten kann, zeigt das Beispiel des Sulzburger Brandschutzunternehmens Hekatron, das in den vergangenen Jahren gezielt in flachere Hierarchien, agile Arbeitsweisen und den internen Einsatz von Künstlicher Intelligenz investiert hat. Geschäftsführerin Petra Riesterer begründet den Ansatz damit, dass gerade der Fachkräftemangel dazu zwinge, vorhandene personelle Ressourcen gezielter einzusetzen, etwa durch digitale Fernüberwachung, die den Bedarf an Vor-Ort-Einsätzen reduziert. Solche Investitionen ersetzen keine Fachkräfte, verändern aber, wie viele Menschen für eine bestimmte Aufgabe erforderlich sind.
Achten Sie bei der Wahl Ihres Personalberaters auch auf Referenzen & Empfehlungen:
„Wir haben die WK-Personalberatung im Laufe der letzten 24 Monate dauerhaft mit der gezielten Suche nach passenden Personen für verschiedenste kaufmännische und technische Positionen an den bundesweiten Standorten unserer Unternehmensgruppe beauftragt. Sowohl mit der Art der Zusammenarbeit als auch mit den gemeinsam erzielten Ergebnissen sind wir sehr zufrieden.
Unsere Zusammenarbeit ist durch einen persönlichen und stets unkomplizierten Austausch geprägt. Die Rahmenbedingungen unserer Branche wurden schnell adaptiert und die Anforderungen unserer zu besetzenden Positionen schnell verstanden. Hervorzuheben ist besonders die Passgenauigkeit der durch WK identifizierten Personen.
Wir sind mit der Leistung der WK-Personalberatung daher sehr zufrieden und überzeugt, dass wir auch zukünftig weiterhin sehr erfolgreich Positionen gemeinsam besetzen werden.“
Systeex Brandschutzsysteme GmbH
Benjamin Köppel
Ein zweiter Hebel betrifft die Rekrutierungswege selbst. Bei Planungs- und Spezialistenprofilen führt der Weg in der Praxis fast immer über die direkte Ansprache im Bestand der Wettbewerber (sog. Active Sourcing). Bei gewerblich-technischen Positionen in Bereichen wie Kältetechnik, Elektro oder Anlagenmechanik lohnt sich zusätzlich der Blick auf Quereinsteiger aus Handwerk und angrenzenden Anlagenbaubranchen. Diese Gruppen verfügen oft über die technische Basis, bleiben im Recruiting aber oft unberücksichtigt.
Genau diese Direktansprache vorher gesourcter Experten ist die Expertise spezialisierter Personalberatungen. Diese entwickeln ein auf Unternehmen und Rolle abgestimmtes Profil, anhand dessen der Suchprozess strukturiert wird. Oft können so Fachkräfte und Quereinsteiger erreicht werden, die über Stellenanzeigen unsichtbar bleiben.
Fazit
Für die Personalplanung 2026 ergibt sich damit eine klare Ausgangslage. Die Nachfrage nach TGA-Leistungen ist robust, die regulatorische Unsicherheit rund um die Heizungswahl ist weitgehend beseitigt, und der begrenzende Faktor bleibt das Personal. TGA-Betriebe, die frühzeitig in Direktansprache, Quereinsteigerprogramme und eine offene Unternehmenskultur investieren, verschaffen sich einen Vorsprung in einem Markt, in dem personelle Ressourcen längst zum eigentlichen Wachstumsengpass geworden sind.
FAQs
Welche Vakanzzeiten sind beim TGA-Fachkräftemangel aktuell realistisch?
Verlässliche, TGA-spezifische Vakanzzeit-Statistiken sind rar. Klar ist aber: Kritische Positionen wie TGA-Planer, MSR-Spezialisten oder Kältetechniker mit Rechenzentrumserfahrung bleiben spürbar länger unbesetzt als der branchenübergreifende Durchschnitt, weil das Angebot an aktiv suchenden Fachkräften sehr klein ist. Wer sich in einem strukturierten Suchprozess auf schnelle Rückmeldungen verlässt, verschafft sich gegenüber Mitbewerbern einen spürbaren Vorsprung.
Warum bleiben klassische Stellenanzeigen bei TGA-Engpassprofilen oft wirkungslos?
Bei hochspezialisierten Profilen wie TGA-Planern oder Kältetechnikern mit Rechenzentrumserfahrung reicht das Angebot an aktiv suchenden Bewerbern selten aus, um offene Stellen zu besetzen. In solchen Fällen führt der Weg häufiger über die direkte Ansprache im Bestand der Wettbewerber. Ein überzeugendes, konkretes Angebot entscheidet dabei oft mehr als die reine Reichweite der Anzeige.
Wie hoch ist das Gehaltsniveau für Spezialisten in der Technischen Gebäudeausrüstung?
Ein Projektleiter TGA verdient laut StepStone-Gehaltsdaten im bundesweiten Median rund 55.000 Euro brutto im Jahr, die Spanne reicht von etwa 47.000 bis 65.000 Euro, mit spürbaren regionalen Unterschieden. Zusatzqualifikationen wie BIM-Koordination oder Gebäudeautomation wirken sich positiv aus. Das Gehalt allein gibt bei einem Wechsel selten den Ausschlag, aktuelle Studien zur Arbeitgeberwahl zeigen aber auch, dass 2026 vor allem Jobsicherheit und gutes Führungsverhalten neben dem Gehalt entscheiden, gefolgt von flexiblen Arbeitszeiten und sinnstiftender Arbeit. Gerade bei TGA-Fachkräften mit langen Betriebszugehörigkeiten dürfte Verlässlichkeit beim Arbeitgeber daher mindestens so schwer wiegen wie die reine Gehaltszahl.
Welche Rolle spielen Weiterbildung und Quereinsteiger gegen den Personalmangel?
Techniker aus verwandten Handwerksberufen bringen oft ein solides technisches Grundverständnis mit. Gezielte Nachqualifizierung schließt die fachlichen Lücken in überschaubarer Zeit und entlastet die externe Suche. Wer solche Entwicklungswege im eigenen Betrieb aufbaut, bindet die entstehenden Fachkräfte in der Regel auch langfristiger an das Unternehmen.
Wie beeinflusst der Rechenzentren-Boom die Personallage in der TGA-Branche?
Der Ausbau KI-getriebener Rechenzentren erhöht den Bedarf an spezialisierter Kühl- und MSR-Technik erheblich, weil die Kühlleistung pro Serverrack deutlich gestiegen ist. Das zieht Fachkräfte aus dem klassischen Hoch- und Gewerbebau ab und verschärft die Personalknappheit dort zusätzlich. Betriebe, die um diese Profile konkurrieren, brauchen ein klar erkennbares Profil als Arbeitgeber.



