Über den Fachkräftemangel im SHK-Handwerk ist viel geschrieben worden: fehlende Anlagenmechaniker, überfüllte Auftragsbücher, zu wenige Azubis. Weniger im Blick ist ein anderes Problem, das sich demografiebedingt gerade zuspitzt: Wer führt diese Betriebe in zehn Jahren? Die Antwort ist in vielen Fällen offen.
Inhalt
- Übergabewelle ohne genug Nachfolger
- Konsolidierung durch externes Kapital
- Zwei unterschiedliche Personalprobleme, eine Branche
- Fazit: Worauf es bei der SHK-Nachfolge ankommt
- Fazit
Übergabewelle ohne genug Nachfolger
Die Deutsche Handwerks Zeitung hat im Januar 2026 gemeinsam mit der KfW die Zahlen des KfW-Mittelstandspanels für das Handwerk ausgewertet: In den kommenden zwei Jahren drohen rund 54.000 mittelständischen Handwerksbetrieben in Deutschland das Aus, meist altersbedingt und mangels Kandidaten.
Diesen stehen nur 49.000 Betriebe gegenüber, die im gleichen Zeitraum tatsächlich eine Übergabe planen. Erstmals übersteigt damit die Zahl der geplanten Schließungen die der geplanten Nachfolgen im Handwerk. Das Institut für Mittelstandsforschung Bonn kommt für den gesamten Mittelstand auf eine Zahl von rund 186.000 übergabereifen Unternehmen im Zeitraum 2026 bis 2030, wovon nach IfM-Schätzung etwa die Hälfte ohne Nachfolger bleiben wird.
So viele Mittelstandsunternehmen stehen 2026 bis 2030 zur Übergabe an
Quelle Zahlen: IfW
Grafik: WK Personalberatung
Für das SHK-Handwerk speziell gibt es keine vergleichbare Verbandserhebung. Brancheninsider gehen davon aus, dass bundesweit rund 10.000 SHK-Betriebsinhaber das Alter von 60 Jahren erreicht oder überschritten haben (siehe Podcast SHK-TV). Bei rund 60 Prozent davon sei eine familieninterne Lösung angedacht, was allerdings nicht bedeutet, dass sie auch tatsächlich umgesetzt wird.
7 typische Hürden bei der SHK-Nachfolge
Quelle Zahlen: SHK-TV Podcast
Grafik: WK Personalberatung
Das SHK-Handwerk ist aber von den oben beschriebenen Schwierigkeiten bei der Nachfolgesuche besonders betroffen, weil es hier viele Ein-Mann- und Familienbetriebe gibt, oft über Jahrzehnte am gleichen Standort gewachsen. Der Inhaber fährt häufig noch selbst mit zur Baustelle, kennt seine Kunden persönlich und hat die Aufträge im Kopf und nicht in irgendeinem System. Solche Strukturen machen die Übergabe einfach schwierig.
Konsolidierung durch externes Kapital
Eine Studie des Ludwig-Fröhler-Instituts München zu Private-Equity-Investitionen im deutschen Handwerk wertete 58 Transaktionen zwischen 2010 und 2024 aus und kommt zu dem Schluss, Nachfolgelösungen einen wesentlichen Teil der PE-Übernahmen im Handwerk ausmachen, insbesondere wenn familieninterne Optionen fehlen. Als besonders attraktiv gelten SHK, technischer Gebäudeausbau und Kanalreinigung, auch weil gesetzliche Vorgaben und langfristige Entwicklungen wie Energiewende und Dekarbonisierung langfristig für eine stabile Nachfrage sorgen werden. Heizungs-, Lüftungs- und energetische Sanierungsleistungen werden dadurch langfristig relevanter.
So schloss sich beispielweise Anfang des Jahres die HSI Heizung-Sanitär-Industriebedarf GmbH aus Wernau, ein seit über 50 Jahren familiengeführter SHK-Großhändler mit rund 15 Mitarbeitern und 4,5 Millionen Euro Jahresumsatz, der bundesweit tätigen Zander Gruppe an, die mit über 100 Standorten im Elektro-, Sanitär- und Heiztechnikgroßhandel aktiv ist.
Ein weiteres Beispiel: Bereits 2022 hat HomeServe Deutschland, ein internationaler Anbieter von Handwerksdienstleistungen, die Sturm-Unternehmensgruppe übernommen, einen SHK- und Photovoltaik-Anbieter im Raum Stuttgart, um die eigene Präsenz in der Region auszubauen. In beiden Fällen ging es auch um die nachhaltige Sicherung der Unternehmensnachfolge.
Diese Konsolidierungswelle wird von den einzelnen Akteuren unterschiedlich bewertet. Manche Investoren betonen den Wissenstransfer zwischen den übernommenen Betrieben und die Möglichkeit, Digitalisierung und Prozesse zu professionalisieren, die ein Einzelbetrieb allein kaum stemmen könnte. Andere Stimmen aus der Branche sind skeptischer und verweisen auf Fälle, in denen Standardisierung die betriebliche Eigenheit und Kundenbindung beschädigt hat. Belastbare, unabhängige Langzeitdaten dazu, wie sich PE-geführte SHK-Betriebe im Vergleich zu klassisch übergebenen Betrieben entwickeln, liegen bislang nicht vor.
Zwei unterschiedliche Personalprobleme, eine Branche
Das zweite ist strategisch und deutlich weniger im öffentlichen Bewusstsein: der Mangel an Personen, die einen Betrieb oder mehrere zusammengeschlossene Betriebe tatsächlich führen können. Gefragt sind hier vor allem unternehmerische Qualifikationen: Betriebswirtschaft und Personalführung, bei Gruppenstrukturen zusätzlich Erfahrung in Post-Merger-Integration. Diese Profile sind auf dem klassischen Weg über die Meisterausbildung nicht zwangsläufig abgedeckt, und sie stehen im Wettbewerb mit anderen Branchen, die ähnliche Kompetenzen ebenfalls dringend suchen.
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Benjamin Köppel
Dass diese Lücke inzwischen auch von Herstellerseite adressiert wird, zeigt ein aktuelles Beispiel: Der Großhändler Interdomus Haustechnik hat mit der Next Generation Akademie ein 24-monatiges Programm gestartet, das angehende SHK-Nachfolger gezielt in Strategie, Betriebsführung und Mitarbeiterführung schult, kombiniert mit Praxisphasen in fremden Betrieben (siehe SBZ). Der Ansatz macht ausdrücklich, was in der Ausbildung fehlt: Technisch sind Nachfolger meist hervorragend vorbereitet, unternehmerisch oft nicht.
Fazit: Worauf es bei der SHK-Nachfolge ankommt
Für Betriebsinhaber, die eine Übergabe noch vor sich haben, folgt daraus eine klare Konsequenz: Wer die Nachfolge ausschließlich als technische Frage behandelt, greift zu kurz. Ebenso wichtig ist die Frage, wer die kaufmännische und strategische Führung übernehmen kann, und ob diese Person aus der Familie, aus dem eigenen Betrieb oder extern kommen muss. Je früher diese Frage gestellt wird, desto größer der Handlungsspielraum. Die Erfahrung aus der allgemeinen Mittelstandsforschung zeigt, dass Übergaben, die kurzfristig unter Zeitdruck erfolgen, deutlich seltener gelingen als solche mit mehrjährigem Vorlauf.
FAQs
Wie groß ist der Fachkräftemangel in der Rüstungsbranche tatsächlich?
Ist ein Meistertitel zwingend notwendig, um einen SHK-Betrieb zu übernehmen?
Der Nachfolger muss selbst keinen Meisterbrief besitzen. Das SHK-Handwerk gehört jedoch zu den zulassungspflichtigen Handwerken. Der Betrieb braucht deshalb eine entsprechend qualifizierte Betriebsleitung. Unter bestimmten Voraussetzungen reicht dafür auch eine Ausübungsberechtigung nach § 7b der Handwerksordnung. Die sogenannte Altgesellenregelung gilt für Gesellen mit mindestens sechs Jahren Berufserfahrung, davon vier Jahre in leitender Stellung. Damit kommt auch ein erfahrener SHK-Fachmann ohne Meisterbrief als Betriebsinhaber infrage.
Wie lange vor dem geplanten Ausstieg sollte die Unternehmensnachfolge starten?
Für die Nachfolge sollten Inhaber mehrere Jahre einplanen. Drei bis fünf Jahre Vorlauf gelten in der Beratungspraxis als sinnvoll. In dieser Zeit kann der Betrieb auf die Übergabe vorbereitet, ein Nachfolger gesucht und die Finanzierung geklärt werden. Auch steuerliche und rechtliche Fragen brauchen Zeit. Wer früh beginnt, hat bei der Suche und bei der Gestaltung der Übergabe mehr Möglichkeiten.
Welche Modelle der Betriebsübernahme stehen neben dem Verkauf an Investoren bereit?
Eine Möglichkeit ist das Management-Buy-out. Dabei übernimmt eine Führungskraft aus dem eigenen Unternehmen den Betrieb. Beim Management-Buy-in kommt der Nachfolger von außen und bringt idealerweise Branchenerfahrung mit. Auch eine schrittweise Übernahme ist möglich. Der Nachfolger beteiligt sich zunächst an dem Unternehmen und übernimmt später weitere Anteile. Ein Pachtmodell kann ebenfalls den Einstieg vorbereiten, bevor der Betrieb endgültig verkauft wird. Für jedes Modell müssen Finanzierung, Kaufpreis und vertragliche Regelungen geklärt werden.
Welche Förderungen unterstützen die Betriebsübernahme im SHK-Handwerk?
Für die Finanzierung einer Betriebsübernahme können Förderkredite der KfW infrage kommen, etwa der ERP-Förderkredit Gründung und Nachfolge. Je nach Bundesland gibt es weitere Programme wie Meister- oder Gründungsprämien. Auch Beratungskosten können unter bestimmten Voraussetzungen gefördert werden. Das BAFA bezuschusst Unternehmensberatungen für KMU. Eine Nachfolgeberatung kann dabei eines der geförderten Themen sein. Der Antrag muss vor Beginn der Beratung gestellt werden. Das aktuelle BAFA-Programm läuft nach derzeitiger Planung bis zum 31. Dezember 2026. Für Förderkredite gelten eigene Voraussetzungen und Fristen.



