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Referatsleitung IT in Behörden besetzen: Warum klassisches Recruiting hier scheitert und was wirklich hilft

Junger Referatsleitung IT vorm Büro

„Post & Pray“ – also das Veröffentlichen einer Anzeige und das bange Warten auf Bewerbungen – funktioniert bei IT-Führungspositionen im öffentlichen Dienst schon lange nicht mehr. HR-Verantwortliche stehen vor einem Paradoxon: Sie suchen agile Gestalter, bieten aber oft ein Umfeld mit starren Gehaltsbändern und langen Entscheidungswegen. Da 80 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Sektor wechselbereit sind, liegt das Problem selten an einem Mangel an Köpfen, sondern an der Art der Ansprache und veralteten Prozessen. Es ist Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme: Was macht eine Behörde für Top-Talente wirklich attraktiv und wie gewinnt man Kandidaten, die gar nicht aktiv suchen?

Inhalt

  1. Wen suchen Behörden und wer bewirbt sich wirklich?
  2. Warum klassische Ausschreibungen bei der Besetzung der Referatsleitung IT nicht reichen
  3. Das eigentliche Problem: Der Widerspruch, den Behörden selten benennen
  4. Was wirklich hilft: Fünf konkrete Maßnahmen
  5. Fazit
  6. FAQs

Wen suchen Behörden und wer bewirbt sich wirklich?

Bevor Sie über die möglichen Recruiting-Kanäle oder auch die Ansprache nachdenken, sollten Sie einen ehrlichen Blick auf das Kandidatenprofil werfen. Die Leitung eines Referates ist immer eine Führungsaufgabe mit strategischer Reichweite. Wer das IT-Referat leitet, verantwortet zum einen den IT-Betrieb der Dienststelle beziehungsweise dessen Steuerung gegenüber Landesrechenzentrum oder zentralen IT-Dienstleistern. Von der Hardware-Infrastruktur über IT-Sicherheit und Informationssicherheitsmanagement bis hin zur Umsetzung von E-Government-Maßnahmen und OZG-Anforderungen.

Referatsleitung IT: Das Aufgabenprofil

Gleichzeitig führt die Person ein Team fachlich und disziplinarisch, verhandelt mit externen Dienstleistern und bringt sich in behördenübergreifende IT-Gremien und Arbeitsgruppen ein. Wo es der Aufgabenbereich erfordert – etwa bei groß angelegten Verwaltungsvorhaben wie Wahlen oder Zensus –, kommen auch die technische Koordination sicherheitskritischer Verfahren sowie Haushaltsteuerung und Ressourcenplanung hinzu.
Das Anforderungsprofil ist also anspruchsvoll: abgeschlossenes Studium in Informatik, Wirtschaftsinformatik oder einem referatsnahen Bereich, mehrjährige Praxiserfahrung im IT-Betrieb oder in Digitalisierungsprojekten, nachgewiesene Führungserfahrung. Hinzu kommen gute Kommunikations-, Moderations- und Entscheidungskompetenz. Kenntnisse in IT-Sicherheit, Datenschutz oder etablierten Frameworks wie BSI-Grundschutz bzw. ISO 27001 werden zumeist ergänzend erwartet. Sie suchen also jemand, der technisch in den genannten Bereichen fit genug ist, um das Team fachlich zu führen, aber gleichzeitig strategisch und verwaltungsnah im bürokratischen Umfeld agieren kann.

Referatsleitung IT: Das Anforderungsprofil


Diese Kombination aus IT-Expertise, Führungskompetenz und Verwaltungsverständnis ist vergleichsweise selten. In Deutschland besteht seit Jahren ein deutlicher Engpass bei IT Fachkräften allgemein, mit hohem Bedarf und unbesetzten Stellen auch im öffentlichen Dienst. Viele Verwaltungen schreiben sehr anspruchsvolle IT‑Leitungsprofile aus (inklusive Strategie, Betrieb, Informationssicherheit, E‑Government, oft mit Führungsverantwortung).

Gleichzeitig sind Gehälter und Rahmenbedingungen häufig weniger konkurrenzfähig als in der Privatwirtschaft, was die Zahl wechselwilliger Kandidaten begrenzt. Gerade im Bereich IT/IT-Security spüren Verwaltungsarbeitgeber den Wettbewerb mit der Privatwirtschaft.

Warum klassische Ausschreibungen bei der Besetzung der Referatsleitung IT nicht reichen

Das Problem beginnt bei der Sichtbarkeit. Behörden veröffentlichen ihre Stellen traditionell auf dem eigenen Karriereportal, auf dem Stellenportal des jeweiligen Landes oder auf allgemeinen Jobbörsen. Das ist notwendig, aber nicht hinreichend. Viele IT-Führungskräfte sind latent wechselbereit, aber nicht aktiv auf Jobsuchportalen unterwegs. In Studien zum „hidden job market“ und zu passiven Kandidaten wird schon länger beschrieben, dass gerade höher qualifizierte Fach und Führungskräfte selten klassisch „bewerbungssuchend“ aktiv sind.
Viele von ihnen können Sie also nicht über klassische Stellenportale erreichen. Sie müssen aktiv angesprochen werden. Das gilt besonders für den großen Pool derjenigen, die momentan nicht aktiv suchen, aber grundsätzlich offen für einen Wechsel wären, wenn das Angebot passt.
Ein Hebel ist beispielsweise das Gehalt. Gerade bei IT-Führungskräften ist die Wechselbereitschaft hoch: Auf Team- und Abteilungsleiterebene sind jeweils 76 Prozent, unter den Bereichsleitern sogar 86 Prozent einem möglichen Jobwechsel offen gegenüber, sofern das neue Gehalt stimmt. Und das obwohl mehr als die Hälfte (55 Prozent) sehr zufrieden oder zufrieden mit ihrem aktuellen Gehalt sind.

Gehalt von IT-Führungskräften, Zufriedenheit und Wechselbereitschaft

Ein weiteres Problem ist die Sprache vieler Ausschreibungen. Verwaltungsjargon wie TV L/TVöD, Besoldungsgruppen, Laufbahnnachweis, Stufenlaufzeit, Beamtenstatus usw. ist hier stark vertreten. Diese sind intern selbstverständlich, für IT-Führungskräfte aus der Privatwirtschaft aber eben nicht. Und da Behörden häufig nicht erklären, was diese Begriffe bedeuten oder welche Vorteile dahinterstehen, bleibt der erste Eindruck einer Ausschreibung für viele potenzielle Kandidaten: „Das ist nicht für mich.“
Dazu kommt das Attraktivitätsproblem: Die Vergütung nach TV-L ist formal gedeckelt und liegt in vielen Fällen unter dem, was vergleichbare Führungskräfte in der Privatwirtschaft zahlen, gerade in Tech-Hubs wie München, Berlin, Hamburg oder Frankfurt, wo Tech-Unternehmen und Startups denselben Talentpool mit deutlich flexibleren Vergütungsmodellen ansprechen. Das bedeutet nicht, dass öffentliche Arbeitgeber grundsätzlich unattraktiv sind. Es bedeutet aber, dass die anderen Vorteile aktiv kommuniziert werden müssen, statt vorauszusetzen, dass Bewerber sie von selbst erkennen.

Das eigentliche Problem: Der Widerspruch, den Behörden selten benennen

Viele Behörden wissen intern, dass sie bei der Besetzung von IT-Führungspositionen in einem Dilemma stecken: Sie wollen jemanden mit Erfahrung aus der modernen IT-Welt – agil, entscheidungsfreudig, technologieoffen. Gleichzeitig bieten sie ein Umfeld mit langen Entscheidungswegen, eingeschränkter technischer Autonomie und teils veralteter Infrastruktur.

4 von 5 Behördenmitarbeitern sind latent wechselwillig

Quelle Zahlen: next:public
Grafik: WK Personalberatung

Dieser Widerspruch wird in Stellenausschreibungen selten offen angesprochen. Stattdessen wird versucht, diesen zu kaschieren. mit Formulierungen wie „Mitgestaltungsmöglichkeit“ oder „umfassendes Aufgabengebiet“. Das wirkt auf erfahrene IT-Führungskräfte wenig überzeugend. Sie erkennen Weichzeichnungen sofort.

Behörden haben eine kaum sichtbare oder realitätsferne Arbeitgebermarke

Quelle Zahlen: next:public
Grafik: WK Personalberatung

Die bessere Strategie: Ehrlichkeit. Wer klar kommuniziert, was diese Rolle leisten kann und was nicht, welche Entscheidungsspielräume tatsächlich vorhanden sind, welche konkreten Projekte (OZG, Digitalstrategie) und strukturellen Veränderungen die Behörde in den nächsten Jahren anstehen, wer Erfolge quantifizieren kann, liefert ein überzeugenderes Wertversprechen und gewinnt das Vertrauen genau der Kandidaten, die inhaltlich gestalten wollen.

Was wirklich hilft: Fünf konkrete Maßnahmen

1. Active Sourcing statt „Post & Pray“

IT-Führungskräfte sind auf LinkedIn, Xing und in Fachcommunitys aktiv. Direktansprache über diese Kanäle erzielt eine sehr viel höhere Resonanz; sie ist bis zu 5-mal effektiver als Anzeigen.
Das setzt voraus, dass HR-Verantwortliche entweder selbst mit diesen Plattformen vertraut sind oder auf externe Unterstützung zurückgreifen, die das kann. Eine gut formulierte, persönliche (!) Direktansprache hat eine deutlich höhere Resonanzrate als jede Stellenanzeige.

2. Employer Branding mit konkretem Inhalt

Behörden wissen oft selbst nicht, was sie attraktiv macht, obwohl ihre eigenen Mitarbeitenden es ihnen sagen. So zeigt beispielsweise das Bleibebarometer Öffentlicher Dienst, was Menschen, die bereits im öffentlichen Dienst arbeiten, an ihrem Arbeitgeber schätzen: Vereinbarkeit von Familie und Beruf (92 %), Jobsicherheit (90 %), Weiterentwicklung (82 %), gesellschaftlicher Beitrag (74 %).

Das sind die authentischsten Argumente, die eine Behörde im externen Recruiting einsetzen kann. Sie sind belegt und glaubwürdig. Das Problem ist, dass Behörden sie im Recruiting kaum ausspielen – und stattdessen auf formale Ausschreibungssprache setzen, die keine dieser Stärken sichtbar macht.

3. Ausschreibungssprache deformalisieren

Öffentlichkeitsrechtliche Vorgaben zur Formulierung von Stellenausschreibungen sind bindend und nicht verhandelbar. Aber es gibt Spielraum: Ein klar formulierter Einleitungsparagraph, der die Bedeutung der Stelle und den konkreten Digitalisierungsauftrag beschreibt, kann den Unterschied machen. Versuchen Sie sich in Ihre Zielgruppe „reinzudenken“ und decodieren Sie TV-L usw.

4. Prozesse beschleunigen, wo es möglich ist

Nichts schreckt qualifizierte IT-Führungskräfte schneller ab als ein Bewerbungsverfahren, das sich über vier bis sechs Monate zieht. Behörden können die formalen Vergabeprozesse nicht aushebeln, aber sie können intern klare Fristen setzen, Zwischenkommunikation aktiv halten und Kandidaten transparent mit Status-Updates über den Stand informieren. Das hält Ihre Bewerber im Prozess. Wer drei Wochen nichts hört, hat sich wahrscheinlich bereits woanders beworben und zugesagt.

5. Interim als Brücke nutzen

Interim-Lösungen werden auch im deutschen öffentlichen Dienst inzwischen explizit genutzt, um Führungs‑ und Schlüsselpositionen übergangsweise zu besetzen (z. B. bei Vakanz, Krankheit, Projektspitzen). Das betrifft auch Leitungsfunktionen auf Referats‑/Amts‑ oder Dezernatsebene, allerdings meist in Form von „Leitung auf Zeit“ über Dienstleistungsverträge. Formal bleibt die Linienverantwortung oft intern, während eine externe Führungskraft auf Zeit die operative Leitung und Projektsteuerung übernimmt. Manchmal führt dieser Weg auch direkt zur Festanstellung, weil sich beide Seiten in der Zusammenarbeit kennen und schätzen gelernt haben.

Fazit

Die Besetzung einer Referatsleitung IT ist anspruchsvoll. Sie scheitert jedoch selten am Markt allein. Meist liegt der Engpass im eigenen Verfahren, im Profil oder in der Positionierung der Rolle. Wer diese Punkte sauber klärt, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer tragfähigen Besetzung deutlich. Der erste Schritt ist eine ehrliche Auswertung der letzten Verfahren.
  • Wie viele Bewerbungen gingen ein?
  • Wie viele davon passten fachlich?
  • Wie lange dauerte es vom Ausschreibungsstart bis zur Auswahlentscheidung?
  • Wie viele Kandidaten sind im Verfahren abgesprungen? Und wann?
Die Daten zeigen, wo Ihre Schwachstellen sind: zu geringe Sichtbarkeit, ein zu eng geschnittenes Anforderungsprofil, eine nicht konkurrenzfähige Eingruppierung oder ein Verfahren, das für wechselwillige Führungskräfte schlicht zu lange dauert.

FAQs

Welche Einstufung ist für eine Referatsleitung IT in Behörden üblich?

Die Vergütung richtet sich meist nach dem TV-L oder TVöD des jeweiligen Landes, oft in der Entgeltgruppe E 15 oder E 15ü. Bei Beamten erfolgt die Besoldung in der Regel in den Gruppen A 15 oder A 16. Diese starren Gehaltsbänder sind häufig ein Hindernis, da sie zumeist unter den Sätzen der freien Wirtschaft liegen. Besonders in Ballungsräumen konkurriert das IT-Referat direkt mit zahlungskräftigen Tech-Unternehmen. In der Praxis bleiben häufig nur Zulageninstrumente oder eine sehr sorgfältige Bewertung der Stelle, um zusätzlichen Spielraum zu schaffen.

Muss ein Referatsleiter IT zwingend Informatik studiert haben?

Klassische Ausschreibungen verlangen meist ein Studium der Informatik oder Wirtschaftsinformatik. Für die Referatsleitung IT ist jedoch einschlägige Praxiserfahrung in Digitalisierungsprojekten oft wertvoller. Quereinsteiger mit starkem technischem Hintergrund und Führungserfahrung können die Lücke füllen. Entscheidend ist die Fähigkeit, komplexe IT-Strategien in den bürokratischen Kontext zu übersetzen. Fachfremde Bewerber müssen dafür beispielsweise für Verwaltungsstrukturen und Haushaltsrecht „fit“ gemacht werden.

Was sind die Kernaufgaben bei der Leitung eines IT-Referats?

Die Referatsleitung IT verantwortet primär den sicheren IT-Betrieb und die strategische Steuerung der Dienststelle. Dazu gehören das Informationssicherheitsmanagement nach BSI-Standards sowie die Umsetzung von E-Government-Vorgaben. Der Referatsleiter führt sein Team disziplinarisch und verhandelt mit externen Dienstleistern. Auch die Budgetplanung und Ressourcensteuerung fallen in seinen direkten Verantwortungsbereich.

Warum bringen klassische Stellenportale kaum Bewerber für die IT-Leitung?

Qualifizierte IT-Führungskräfte suchen selten aktiv auf traditionellen Jobbörsen. Der „Hidden Job Market“ umfasst Experten, die zwar wechselbereit sind, aber direkt angesprochen werden wollen. Die Referatsleitung IT muss daher dort sichtbar werden, wo Fach-Communitys auf LinkedIn oder Xing agieren. Active Sourcing ist hier bis zu fünfmal effektiver als eine einfache Anzeige. Ohne gezielte Direktansprache bleibt der Pool an passenden Kandidaten für das IT-Referat meist zu klein.

Wann ist ein Interim-Manager für die Referatsleitung IT sinnvoll?

Eine Interim-Lösung überbrückt Vakanzen bei langwierigen Besetzungsverfahren oder plötzlichen Ausfällen. Externe Experten übernehmen die operative Referatsleitung IT und steuern dringende Projekte. Dies entlastet die Behördenleitung und verhindert einen Reformstau in der Digitalisierung. Oft dient dieser Weg als Testphase für eine spätere Festanstellung des Spezialisten. Für zeitkritische Vorhaben ist die „Leitung auf Zeit“ ein bewährtes Instrument moderner Personalsteuerung.

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