Wer heute in einer Kommune, Landesbehörde oder Bundeseinrichtung eine IT-Leitungsstelle besetzen will, kennt das Problem: Wochen vergehen, Monate manchmal, und die Bewerberlage bleibt dünn. Parallel dazu nehmen die Anforderungen zu. Digitalisierungsprojekte sollen vorankommen, Fachverfahren modernisiert, Verwaltungsleistungen online bereitgestellt werden. Die Erwartungshaltung von Politik, Verwaltungsspitze und Öffentlichkeit ist hoch.
Inhalt
- Was bedeutet IT-Leitung im öffentlichen Sektor wirklich?
- Der digitale Rückstand ist messbar
- Die Personallücke in der Verwaltung ist real und wird größer
- Warum CIOs und IT-Leiter in die Wirtschaft abwandern
- Warum klassische Ausschreibungen ins Leere laufen
- Prozesse, die bremsen, statt zu helfen
- Die digitale Kultur fehlt
- Wo Personalberatungen den Unterschied machen
- Fazit
- FAQs
Was bedeutet IT-Leitung im öffentlichen Sektor wirklich?
Der digitale Rückstand ist messbar
Die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache. Laut Bitkom sind rund 60 Prozent der knapp 580 Verwaltungsleistungen mittlerweile digital verfügbar. Klingt erst mal gut. Aber nur etwa 28,5 Prozent (165) davon flächendeckend in allen Kommunen und Ländern. Der Rest? Läuft weiter analog oder über Insellösungen, die nicht miteinander sprechen.
Stand der Digitalisierung: 60 Prozent der 579 OZG-Leistungen sind online, aber nur 165 (28,5%) flächendeckend verfügbar
Quelle Zahlen: Bitkom
Grafik: WK Personalberatung
5 Fokusleistungen – nur 2 flächendeckend verfügbar
Quelle Zahlen: Bitkom
Grafik: WK Personalberatung
Der Druck von außen wächst. Bürger erwarten heute selbstverständlich, dass sie Anträge online stellen können, dass Behördengänge digital funktionieren. Der IT-Leiter sitzt genau an dieser Schnittstelle zwischen Erwartung und Machbarkeit, und das mit oft viel zu wenig Personal und Budget.
Die Personallücke in der Verwaltung ist real und wird größer
Bürger wollen digitale Services, die Politik verspricht Tempo, aber wer soll das umsetzen? Die Antwort ist ernüchternd: Es gibt nicht genug Leute. Dem öffentlichen Dienst fehlen 2025 bereits 570.000 Beschäftigte. Laut PwC kann sich diese Lücke je nach Studie bis 2030 nahezu verdoppeln. Besonders betroffen ist der IT-Bereich. Aktuell fehlen bereits rund 39.000 IT- und Digitalberufe. Bis 2030 könnte diese Lücke auf etwa 140.000 IT-Fachkräfte anwachsen.
Von 570.000 auf über 800.000: Die Personalkrise spitzt vor allem im IT-Bereich sich zu
Quelle Zahlen: McKinsey, PwC und dbb
Grafik: WK Personalberatung
Diese Zahlen haben direkte Folgen: Jede unbesetzte IT-Stelle bremst Digitalisierungsprojekte, verzögert Services, belastet bestehende Teams. Vor allem für IT-Leitungspositionen bedeutet das: Der Pool wird kleiner, während der Bedarf explodiert.
Warum CIOs und IT-Leiter in die Wirtschaft abwandern
Öffentliche Arbeitgeber konkurrieren mit Unternehmen, Beratungen und Tech-Firmen, die oft sehr viel mehr zahlen und flexible Arbeitsmodelle bieten, die im öffentlichen Dienst schwer umsetzbar sind. Für viele IT-Profis mit Führungserfahrung ist der Wechsel in die Verwaltung schlicht keine Option. Zu starr die Hierarchien, zu langsam die Entscheidungswege, zu begrenzt die technologischen Möglichkeiten. Dieses Image sitzt tief und macht das Recruiting noch schwerer.
Gehaltsvergleich IT-Leitung/CIO: Privatwirtschaft zahlt deutlich mehr
Quelle Zahlen: StepStone, Glassdoor, Kienbaum 2024/2025 und TVöD/Besoldungstabellen 2025
Grafik: WK Personalberatung
Hinzu kommt: Viele Stellenausschreibungen im öffentlichen Sektor lesen sich, als wären sie für verwaltungsinterne Karrierewege geschrieben worden. Wer aus der Privatwirtschaft kommt und moderne Methoden wie agile Entwicklung, DevOps oder Cloud-Migration mitbringt, findet sich in diesen Ausschreibungen nicht wieder. Statt „nachweisbare Erfolge in Cloud-Migration und agiler Organisationsentwicklung“ steht da häufig „Befähigung für den gehobenen Dienst gemäß § 17 BeamtStG“. Das schreckt ab. Die Sprache passt nicht, die Anforderungen nicht, die gesamte Ansprache nicht.
Warum klassische Ausschreibungen ins Leere laufen
Das funktioniert aber immer schlechter. Zum einen, weil die Ausschreibungen oft so bürokratisch formuliert sind, dass moderne IT-Führungskompetenzen nur am Rande vorkommen. Zum anderen, weil die wirklich interessanten Kandidaten, die mit Erfahrung in digitaler Transformation, Change Management und moderner IT-Architektur, diese entweder nicht sehen oder sich einfach nicht angesprochen fühlen.
Prozesse, die bremsen, statt zu helfen
Vor allem Produktionsstätten der Automobilindustrie sollen übernommen werden
Die digitale Kultur fehlt
Es geht nicht nur um Prozesse und Gehälter. Das Problem sitzt strukturell tiefer. 75 Prozent der Mitarbeitenden im öffentlichen Dienst halten eine vollständig digitalisierte Verwaltung bis 2030 für unrealistisch, so eine aktuelle YouGov-Studie im Auftrag von d.velop. Es mangele vor allem an durchgängigen Systemen, einheitlichen Standards und vernünftiger Software-Ausstattung.
Digitalisierung in der Verwaltung: Anspruch trifft Realität



