Ein Ingenieurbüro in Süddeutschland sucht seit acht Monaten einen TGA-Fachplaner für Heizung, Lüftung und Klima. Die Stelle ist gut bezahlt, die Projekte sind anspruchsvoll. Trotzdem gehen nur wenige Bewerbungen ein. Von den bisherigen Kandidaten passt keiner ohne größere Lücken zum Anforderungsprofil.
Solche Besetzungsprobleme haben in der TGA einen strukturellen Hintergrund. Der Arbeitsmarkt für Ingenieure hat sich zuletzt zwar abgekühlt. Für Fachplaner in der Gebäudetechnik bleibt die Auswahl an geeigneten Kandidaten dennoch begrenzt.
Inhalt
- Was die Arbeitsmarktdaten zeigen
- Warum der Kandidatenmarkt so klein ist
- Warum der Bedarf an TGA-Fachplanern bleibt
- Was Unternehmen konkret tun können
- Fazit
- FAQs zum Recruiting von TGA-Fachplanern
Was die Arbeitsmarktdaten zeigen
Der Ingenieurarbeitsmarkt insgesamt hat sich in 2025 unter dem Einfluss der insgesamt schwachen Konjunktur abgekühlt. Der VDI/IW-Ingenieurmonitor für das vierte Quartal 2025 registriert einen Rückgang der offenen Stellen um 18,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr, auf rund 96.760 bundesweit. Innerhalb dieses schwächeren Gesamtbilds sticht aber der Bereich Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur heraus. In den Bauingenieurberufen ist mit 314 offenen Stellen auf 100 Arbeitslose der größte Engpass zu verzeichnen, vor Energie- und Elektrotechnik (246) und Maschinenbau (173). Damit weisen gerade die für die TGA-Fachplanung relevanten Ingenieurcluster (Bau und Elektrotechnik) den engsten Kandidatenmarkt auf.
Die größten Engpässe bei Ingenieuren: Bauingenieure ganz vorn
Quelle Zahlen: VDI
Grafik: WK Personalberatung
Die Fachkräfteengpassanalyse der Bundesagentur für Arbeit weist für 2025 insgesamt 157 Engpassberufe aus, gegenüber 163 im Vorjahr und 183 im Jahr 2023.
TGA-relevante Berufsfelder mit Engpässen
Quelle: Agentur für Arbeit
Grafik: WK Personalberatung
Die Zahl der Engpässe sinkt also branchenübergreifend. Bau- und Handwerksberufe zählen allerdings auch hier weiterhin zu den Bereichen mit den ausgeprägtesten Besetzungsschwierigkeiten, (neben Pflege und medizinischen Berufen). Wer einen konkreten Bezug zum TGA-Fachplaner herstellen will, sollte in der Engpassanalyse gezielt nach den relevanten Berufsgattungen suchen, etwa Bauplanung, Versorgungstechnik, Elektrotechnik und technische Konstruktion, statt sich auf die Gesamtzahl zu verlassen.
Warum der Kandidatenmarkt so klein ist
1. Erfahrung ist schwer zu ersetzen. Ein Absolvent lässt sich einstellen und einarbeiten. Für ein anspruchsvolles Projekt mit eigener Verantwortung verlangen Unternehmen dagegen häufig drei, fünf oder mehr Jahre Praxis. Genau diese Kandidaten sind am Markt selten verfügbar und wechselbereit.
2. Das Profil ist gewerkeabhängig. Ein TGA-Fachplaner für Heizung, Lüftung und Klima bringt ein anderes Fachwissen mit als ein Fachplaner für Elektrotechnik, MSR- und Gebäudeautomation oder Kältetechnik. Wer in der Stellenausschreibung alle Gewerke gleichzeitig verlangt, schließt einen großen Teil des ohnehin kleinen Marktes aus.
TGA-Fachplanung: Fachrichtung bestimmt das gesuchte Profil
Softwarekenntnisse wirken als zusätzlicher Filter. Revit, AutoCAD, Linear, Plancal nova oder DDS-CAD gehören je nach Büro zum Standard. Jede zusätzliche Anforderung verkleinert den Kreis der infrage kommenden Bewerber weiter, oft stärker, als es für die eigentliche Tätigkeit nötig wäre.
3. Die Konkurrenz um dieselben Köpfe ist breiter als gedacht. Ein Kandidat kann zwischen Ingenieurbüro, TGA-Planungsunternehmen, Bauunternehmen, Anlagenbauer, Industrie und Facility Management wechseln. Ein kleines Planungsbüro konkurriert damit nicht nur mit dem Wettbewerber am Ort, sondern mit einem ganzen Spektrum an Arbeitgebern mit unterschiedlichen Vergütungsmodellen.
Warum der Bedarf an TGA-Fachplanern bleibt
Der TGA-Markt steckt derzeit in einer Übergangsphase. 2025 gingen laut BTGA-Frühjahrsgutachten 2026 die erstellten Flächen im Nichtwohnbau um 3,6 Prozent auf rund 26,1 Millionen Quadratmeter zurück. Auch im großvolumigen Wohnungsbau nahm die Neubautätigkeit ab. Das schlug natürlich auch auf die TGA-Aufträge durch.
TGA-Markt 2025/26
Quelle: BTGA
Grafik: WK Personalberatung
Für 2026 zeichnet sich aber eine kleine Trendwende ab. Im Nichtwohnbau erwartet B+L zwar erneut weniger Neubauflächen. Gleichzeitig sollen die Investitionen in Sanierung und Bestandsmaßnahmen um 1,2 Prozent steigen. Der Sanierungsmarkt ist zudem größer als der Neubau, sodass das Wachstum einen Teil der Rückgänge ausgleichen kann. Wartung und Instandhaltung entwickeln sich vergleichsweise stabil und bieten TGA-Unternehmen regelmäßige Aufträge, teilweise mit längeren Laufzeiten über den gesamten Lebenszyklus.
Auch die Nachfrage verschiebt sich zwischen den Gebäudesegmenten. Der öffentliche Nichtwohnbau entwickelte sich zuletzt besser als der gewerbliche Bau. Für 2026 werden positive Impulse unter anderem bei Gesundheitsgebäuden, Bildungseinrichtungen und Bundeswehrstandorten erwartet. Im großvolumigen Wohnungsbau wird für 2027 mit einem Wachstum der erstellten Flächen um 3,8 Prozent gerechnet.
Hinzu kommt der Modernisierungsbedarf im Gebäudebestand. Rund 1,9 Millionen Nichtwohngebäude unterliegen nach Schätzungen von IWU und B+L den energetischen Anforderungen des Gebäudeenergiegesetzes. Gleichzeitig würden die aktuellen Sanierungsquoten nicht ausreichen, um die Klimaziele für den Gebäudebestand zu erreichen. Für TGA-Unternehmen und Fachplaner entsteht hier entsprechend ein langfristiges Aufgabenfeld bei der Modernisierung der technischen Gebäudeausrüstung. Ein weiteres Feld ist die serielle Sanierung, die als Wachstumsmarkt für TGA-Fachbetriebe und Fachplaner gesehen wird. Für die kommenden Jahre wird mit einer deutlich steigenden Zahl korrespondierender Projekte gerechnet.
TGA-Fachbetriebe: Herausforderungen im Marktumfeld
Quelle: BTGA
Grafik: WK Personalberatung
Was Unternehmen konkret tun können
1. TGA-Fachkräfte trotz Konjunktur bereits jetzt weiterbilden und binden
Die aktuelle Konjunkturflaute wirkt trügerisch. Sobald sich der Markt erholt, trifft ein steigender Bedarf auf ein sowieso schrumpfendes Angebot: In den Bereichen Architektur, Städteplanung sowie Hoch- und Tiefbau ist bereits ein Drittel der Erwerbstätigen 55 Jahre und älter. Zugleich sinken seit Jahren die Studienanfängerzahlen in den einschlägigen Fachrichtungen (vgl. VDI/IW-Ingneieurmonitor, Ausblick bis 2040). Wer aktuell auch bei verhaltener Auftragslage in Nachwuchs und Weiterbildung investiert, sichert sich einen Vorsprung, bevor der Wettbewerb wieder anzieht. Genau jetzt lassen sich auch Absolventen und Berufseinsteiger in einem strukturierten Einarbeitungspfad gezielt zu Fachplaner entwickeln.
2. Anforderungsprofil entrümpeln und angrenzende Profile in die Suche einbeziehen
Nicht jede Anforderung ist verbindlich. Welche Kenntnisse sind in den ersten sechs Monaten wirklich erforderlich? Welche lassen sich einarbeiten? Softwarekenntnisse lassen sich zum Beispiel nachschulen und sollten nicht als Ausschlusskriterium gelten. Auch ein Studium gilt gängigster Zugang, daneben kommen aber auch geprüfte Techniker mit einschlägiger Berufserfahrung und Weiterbildung über IHK oder über andere Berufsverbände infrage.
Wer pauschal ein Studium als Muss-Kriterium verlangt, schließt einen Teil des Kandidatenmarkts unnötig aus. Und auch angrenzende Berufe gehören ins Suchraster. Techniker aus dem SHK-Handwerk beispielsweise oder Elektroplaner mit Interesse an Gebäudeautomation bringen oft die passende technische Grundlage mit. Und auch bei der Stellenanzeige selbst gilt: je konkreter, desto besser. Austauschbare Textbausteine gehen im Wettbewerb unter.
Falls Sie sich zur Unterstützung für eine Personalberatung entscheiden, achten Sie auch auf Referenzen und Empfehlungen bei Ihrer Wahl
„Wir haben die WK-Personalberatung im Laufe der letzten 24 Monate dauerhaft mit der gezielten Suche nach passenden Personen für verschiedenste kaufmännische und technische Positionen an den bundesweiten Standorten unserer Unternehmensgruppe beauftragt. Sowohl mit der Art der Zusammenarbeit als auch mit den gemeinsam erzielten Ergebnissen sind wir sehr zufrieden.
Unsere Zusammenarbeit ist durch einen persönlichen und stets unkomplizierten Austausch geprägt. Die Rahmenbedingungen unserer Branche wurden schnell adaptiert und die Anforderungen unserer zu besetzenden Positionen schnell verstanden. Hervorzuheben ist besonders die Passgenauigkeit der durch WK identifizierten Personen.
Wir sind mit der Leistung der WK-Personalberatung daher sehr zufrieden und überzeugt, dass wir auch zukünftig weiterhin sehr erfolgreich Positionen gemeinsam besetzen werden.“
Systeex Brandschutzsysteme GmbH
Benjamin Köppel
3. Active Sourcing verstärken
Active Sourcing ersetzt zunehmend die klassische Stellenanzeige. Bei einem so kleinen und umworbenen Kandidatenmarkt reicht es eher selten, auf Bewerbungen zu warten. Direkte Ansprache über Netzwerke, Fachverbände und Empfehlungen erreicht Kandidaten, die nicht aktiv suchen.
Fazit
Der Arbeitsmarkt für TGA-Fachplaner lässt sich statistisch nicht über eine einzelne Berufsgruppe abbilden. Die verfügbaren Daten aus Ingenieurwesen, Gebäudetechnik und den einzelnen TGA-Gewerken zeigen aber übereinstimmend, dass qualifizierte Planer schwer zu gewinnen sind, und die strukturellen Gründe dafür liegen tiefer als ein allgemeiner Fachkräftemangel. Unternehmen, die ihr Anforderungsprofil differenzieren und aktiv nach Kandidaten aus angrenzenden Berufen suchen, verschaffen sich in diesem engen Markt einen spürbaren Vorteil.
FAQs zum Recruiting von TGA-Fachplanern
Welches Gehalt muss man einem TGA-Fachplaner aktuell bieten?
Das Gehalt hängt vor allem von Berufserfahrung, Fachrichtung, Projektverantwortung und Region ab. Ein Berufseinsteiger startet auf einem anderen Niveau als ein erfahrener Fachplaner mit eigener Projektverantwortung. Auch Spezialkenntnisse, etwa in BIM oder Gebäudeautomation, können die Gehaltserwartung beeinflussen. Für HR-Entscheider ist deshalb entscheidend, das Gehaltsband an der konkreten Fachrichtung und dem Verantwortungsumfang auszurichten.
Wie unterscheidet sich ein TGA-Fachplaner von einem Technischen Systemplaner?
Die TGA-Fachplanung ist in der HOAI als Teil der Technischen Ausrüstung geregelt. Sie umfasst je nach Anlagengruppe unter anderem die Konzeption, Berechnung, Bemessung und Ausführungsplanung technischer Anlagen. Der Begriff „TGA-Fachplaner“ bezeichnet dabei ein Tätigkeitsprofil und keine geschützte Berufsbezeichnung. Technische Systemplaner sind dagegen ausgebildete Fachkräfte, die insbesondere technische Zeichnungen und Modelle für Anlagen der Technischen Gebäudeausrüstung erstellen und an deren Planung und Umsetzung mitwirken. Je nach Erfahrung und Aufgabenbereich können sich die Tätigkeiten überschneiden. Für HR ist deshalb entscheidend, in der Stellenanzeige den tatsächlichen Verantwortungsumfang und die geforderte Qualifikation zu beschreiben.
Wann lohnt sich die Beauftragung freiberuflicher TGA-Fachplaner?
Freiberufliche TGA-Fachplaner können kurzfristige Kapazitätsengpässe abfangen, etwa bei Projektspitzen, engen Terminen oder fehlendem Spezialwissen im eigenen Team. Die höhere Kostenbelastung pro Arbeitsstunde müssen dabei gegen die zeitliche Flexibilität und die kurzfristige Verfügbarkeit abgewogen werden. Für HR kann externe Unterstützung deshalb eine Option sein, wenn eine offene Position kurzfristig nicht besetzt werden kann oder zusätzliches Fachwissen für ein konkretes Projekt benötigt wird.
Welche Rahmenbedingungen sind für Projektingenieure HKLS beim Arbeitgeberwechsel relevant?
Für Projektingenieure HKLS können flexible Arbeitszeiten und mobiles Arbeiten attraktive Rahmenbedingungen sein, sofern sie mit den Anforderungen der Projekte vereinbar sind. Auch aktuelle Planungssoftware, leistungsfähige Hardware und Weiterbildungsmöglichkeiten spielen im Arbeitsalltag eine Rolle. Bei Positionen mit regelmäßigen Baustellen- oder Kundenterminen kann ein Dienstwagen hinzukommen. Welche Rahmenbedingungen für einen Kandidaten entscheidend sind, hängt letztlich vom Aufgabenprofil und der persönlichen Situation ab.


