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Planungsingenieure: Warum verhaltene Personalplanung langfristig schadet

Symbolbild: Planungsingenieurin bei der Arbeit am Schreibtisch

Der Ingenieurarbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren verändert. Das lässt sich auch an aktuellen Marktdaten ablesen. So verzeichnet einerseits die Arbeitslosigkeit unter Ingenieuren den höchsten Stand seit 2011 (vgl. Ingenieurmonitor IV 2025), andererseits sind Vakanzen für ganz bestimmte Cluster schwer zu besetzen. Zu diesen gehören auch Planungsingenieure wie der Hays Fachkräfte-Index Engineering für das zweite Quartal 2026 zeigt.

Der Markt ist also nicht einheitlich. Konjunkturell bedingt gibt es eine generelle Abkühlung. Bei bestimmten Planungs- und Infrastrukturprofilen bleibt die Nachfrage weiterhin hoch, da diese entweder weniger von der Konjunktur betroffen sind oder sich bereits wieder erholen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Entkopplung von Konjunktur und Engpass: Trotz steigender Ingenieur-Arbeitslosigkeit herrscht bei Planungsingenieuren ein akuter, struktureller Mangel.
  • Vier primäre Bedarfsfelder: Die höchste Nachfrage konzentriert sich derzeit auf Bahninfrastruktur, Energie- und Netzausbau, Technische Gebäudeausrüstung (TGA) sowie Tiefbau und Wasserwirtschaft.
  • Demografisches Risiko: Bis zu einem Drittel der Beschäftigten in der Bau- und Energieplanung kann in den nächsten Jahren in Rente gehen. Ausländische Fachkräfte und Nachwuchs können diese Lücke nicht schließen.
  • Gefährliche Zurückhaltung: Aufgrund volatiler Auftragsentwicklungen zögern viele Büros bei Neueinstellungen, was bei wieder anziehender Konjunktur zu Engpässen und verstärkten Wettbewerb führen wird.

Inhalt

  1. Blick auf die Zahlen: Strukturelle Nachfrage bleibt
  2. Wo der Bedarf aktuell herkommt
  3. Warum die Nachfrage nach Planungsingenieuren dennoch eher verhalten ist
  4. Das Recruiting von Planungsingenieuren wird nicht einfacher
  5. Fazit

Blick auf die Zahlen: Strukturelle Nachfrage bleibt

Wer den VDI/IW-Ingenieurmonitor regelmäßig liest, weiß, dass zwei für die Planung besonders relevante Fachrichtungen bereits seit Jahren zu den größten Engpassfeldern gehören: 1) Bau, Vermessung, Gebäudetechnik und Architektur sowie 2) Energie- und Elektrotechnik. Daran hat auch die aktuelle konjunkturelle Delle nichts geändert. Der Bedarf ist zwar insgesamt zurückgegangen, dennoch gelten genau diese beiden Cluster immer noch als dezidierte Engpassberufe. Was so viel heißt, dass auf einen arbeitslosen Ingenieur ein Vielfaches an Vakanzen kommt.

Trotz Abkühlung weiterhin Engpass

Quelle Zahlen: VDI
Grafik: WK Personalberatung

Dies wird auch vom IW-MINT-Frühjahrsreport 2026 bestätigt. Von der bundesweiten MINT-Fachkräftelücke im März 2026 (insg. 133.900 Personen) entfallen die größten Anteile auf Energie- und Elektroberufe (48.900) und Bauberufe (26.400). Die Zahlen beziehen sich hier zwar auf gewerbliche wie akademische Qualifikationen, zeigen aber die gleiche Tendenz.

Mittel- und langfristig wird die Altersstruktur letztlich dafür sorgen, dass diese Engpässe bestehen bleiben. In der Fachrichtung Architektur/Städteplanung, Baugewerbe, Hoch- und Tiefbau sind mehr als 30 Prozent aller Beschäftigten 55 Jahre oder älter (vgl. BIPP/IAB/GWS, in Elektrizität und Energie, Elektronik und Automation knapp 30 Prozent. Bis zu einem Drittel der heutigen Belegschaft in für Planungsingenieure zentralen Fachrichtungen könnte damit in den kommenden Jahren altersbedingt ausscheiden.

Und die Lücke lässt sich auch nicht über ausländische Ingenieure schließen. Der Anteil ausländischer Ingenieure ist zwar von 6 Prozent im Jahr 2012 auf 11,4 Prozent im Jahr 2025 gestiegen (vgl. VDI/IW-Ingenieurmonitor), das mildert aber den Engpass durch die Verrentung der geburtenstarken Jahrgänge lediglich, ersetzt diesen definitiv nicht.

Wo der Bedarf aktuell herkommt

Anhand aktueller Stellenausschreibungen und Branchenanalysen lassen sich folgende Bedarfscluster identifizieren:

Bahninfrastruktur

Die Bahninfrastruktur wird aktuell intensiv saniert und digitalisiert. Hierfür sind allein für die Infrastruktur im Bundeshaushalt 2027 immer noch 16,71 Milliarden Euro (Kernetat plus Sondervermögen) vorgesehen. Für parallel laufende Sanierungen (allein in 2026 gibt es bis zu 28.000 Baustellen an Netz und Stationen), den Ausbau von Kapazitäten wie auch die Digitalisierung mit ETCS und digitalen Stellwerken fehlen insbesondere erfahrene Fachkräfte in Planung, Genehmigung und Projektsteuerung.

Bedarfsfelder für Planungsingenieure in Bahninfrastruktur

Energie und Netzausbau

Der Investitionsbedarf in Übertragungs- und Verteilnetze, den Zubau von Erneuerbaren, neue Lasten (E-Mobilität, Wärmepumpen, Rechenzentren) und Netzdigitalisierung geht mit einem erhöhten Bedarf an Elektroingenieuren, Bauingenieuren und Fachplanern einher. Netzbetreiber müssen Ausbau, Betrieb und Digitalisierung gleichzeitig koordinieren. Dafür werden Ingenieure mit Systemverständnis, regulatorischem Know-how und Erfahrung in multidisziplinärer Planung gebraucht. Besonders schwer zu finden sind Kandidaten mit konkreter Netzplanungserfahrung (MS/NS, HS, Umspannwerke), Kenntnissen der technischen Regelwerke, HOAI/VOB, AVA-Tools und Praxis in Genehmigungs- und Trassenplanung.

Bedarfsfelder für Planungsingenieure in Energie & Netzausbau

Technische Gebäudeausrüstung (TGA)

Insbesondere die für TGA relevanten Cluster (Bauingenieurwesen, Elektrotechnik, Versorgungstechnik) unter den Engpassbereichen mit den höchsten Vakanzzahlen. TGA-Planung erfordert eine Kombination aus gewerkespezifischem Fachwissen (HLKS, Elektro, MSR), normativem Know-how (GEG/GModG, VDI-Richtlinien, DIN-Normen), HOAI-Prozessen und praktischer Baustellenerfahrung. Gleichzeitig liegen die Gehälter in vielen Planungsbüros deutlich unter denen von Industrie, Fahrzeugbau oder Chemie/Pharma, was die Rekrutierung zusätzlich erschwert.

Bedarfsfelder für Planungsingenieure in TGA

Tiefbau und Wasserwirtschaft

Trotz konjunktureller Schwäche im Bauhauptgewerbe 2026 bleibt der Bedarf an qualifizierten Planungs- und Projektingenieuren im Tiefbau und in der Wasserwirtschaft hoch. Getrieben wird der Bedarf unter anderem durch öffentliche Infrastrukturprogramme wie das Infrastruktur-Zukunftsgesetz oder Investitionen in Kanal- und Entwässerungsinfrastruktur seitens Kommunen und Zweckverbänden. Und auch hier gilt: Tiefbau- und wasserwirtschaftliche Projekte erfordern eine Kombination aus gewerkespezifischem Fachwissen (Kanalbau, Entwässerung, Wasserbau), normativem Know-how (VOB, HOAI, WHG, Landeswassergesetze), Erfahrung mit öffentlichen Auftraggebern und praktischer Baustellenerfahrung. Zugleich altern viele erfahrene Ingenieure, während der Nachwuchs hinter der Nachfrage zurückbleibt.

Bedarfsfelder für Planungsingenieure in Tiefbau und Wasserwirtschaft

Warum die Nachfrage nach Planungsingenieuren dennoch eher verhalten ist

Aktuell stellen Planungsbüros trotz aller Prognosen eher verhalten ein, was vor allem an der volatilen Auftragslage liegt. So haben laut VBI Konjunkturumfrage 2026 37 Prozent der Ingenieurbüros in der zweiten Jahreshälfte 2025 einen Rückgang ihrer Auftragslage verzeichnet. Für nur 30 hat sich die Auftragslage verbessert. Zugleich hat der durchschnittliche Auftragsbestand noch bei 11,3 Monaten gelegen und damit leicht über dem Vorjahreswert. Die Nachfrage ist also nicht eingebrochen, wird aber für viele Büros schwerer planbar.

Bislang keine erkennbare Wirkung auf die wirtschaftliche Lage durch Vereinfachung von Planungs-/Genehmigungsverfahren oder Sondervermögen

Quelle Zahlen: VBI
Grafik: WK Personalberatung

Das spiegelt sich natürlich auch in der Personalplanung wider. Lediglich 27 Prozent rechnen mit einem steigenden Personalbedarf und benennen Ingenieurmangel als Hemmnis. Die Branche steht entsprechend vor einem Zielkonflikt: Mittel- und langfristig wird die Nachfrage steigen, gleichzeitig sorgt die volatile Marktlage für Zurückhaltung, die sich rächen könnte, sobald die Nachfrage wieder anzieht.

Personalbedarf 2025 und 2026

Quelle Zahlen: VBI
Grafik: WK Personalberatung

Das Recruiting von Planungsingenieuren wird nicht einfacher

Technische Planung findet zunehmend an Schnittpunkten verschiedener Fachbereiche und Gewerke wie etwa Energieversorgung und Netzausbau, Speichertechnik, Ladeinfrastruktur sowie Gebäudeautomation statt. Obendrauf werden häufig Projektpraxis, spezifische Softwarekenntnisse und Regulierungs-Know-how gefordert. Das erweitert das Anforderungsprofil und verengt so zugleich den Kandidatenpool. Denn die relevanten Ingenieurcluster gehören zu den reglementierten Berufen, für die formale Qualifikationen beziehungsweise Zulassungen erforderlich sind. Das bremst spontane Quereinstiege strukturell, unabhängig davon, wie dringend letztendlich der Bedarf ist.

Falls Sie sich für eine Personalberatung zur Unterstützung Ihres Recruitings entscheiden, achten Sie bei Ihrer Wahl auch auf Empfehlungen wie diese:

Daneben konkurrieren Planungsbüros beim Gehalt mit Arbeitgebern, die ähnliche technische Qualifikationen benötigen. Erfahrene Ingenieure können zwischen Planungsbüros, Industrie, Energieunternehmen, Infrastrukturbetreibern oder technischen Dienstleistern wählen. Vor allem kleinere Büros ziehen hier häufig den Kürzeren.

Fazit

Die aktuell eher verhaltene Nachfrage nach Planungsingenieuren ist kein Signal für Entspannung. Sie überdeckt lediglich einen strukturellen, von der Konjunktur weitgehend unabhängigen langfristigen Bedarf, der durch alternde Belegschaften bei engen Qualifikationspfaden in reglementierten Ingenieurberufen zukünftig hochgetrieben wird. Sobald die Nachfrage wieder anzieht, trifft sie auf einen ohnehin knappen Markt erfahrener Planungsingenieure.

FAQs

Warum ist die Besetzung von Stellen für Planungsingenieure trotz konjunktureller Delle schwierig?
Die Lücke ist strukturell und weitgehend von der Gesamtwirtschaft entkoppelt. Während sich der Bedarf in einzelnen Bereichen konjunkturbedingt abschwächt, sorgen demografischer Wandel sowie anhaltender Investitionsbedarf in beispielsweise Energienetze oder Digitalisierung der Bahninfrastruktur für eine fortbestehende Nachfrage.

Beim Grundgehalt liegen Planungsbüros im Allgemeinen hinter der Industrie, was sich auf kurze Sicht eher nicht aufholen lässt. Ansatzpunkte in der Überzeugungsarbeit können jenseits des Gehalts Faktoren sein, die sich in der jeweiligen Bürorealität verankern lassen: Mitspracherecht bei der Projektauswahl, ein klarer Entwicklungs- oder Partnerpfad in kleineren Büros oder auch die Frage, wie zeitgemäß das Büro tatsächlich arbeitet (etwa bei BIM-Workflows). Wie wirksam diese Hebel jeweils sind, hängt stark vom jeweiligen Kandidaten ab und fließt eigentlich in jede gute Suchstrategie bereits ein.

Nur bedingt. Ingenieurberufe der Elektro-, Energie- und Bautechnik zählen zu den reglementierten Berufen, die formale Qualifikationen und Know-how in deutschen Regelwerken wie HOAI, VOB und GEG voraussetzen. Spontane Quereinstiege bleiben deshalb die Ausnahme. Ausländische Fachkräfte mildern den Mangel bereits zum Teil spürbar, brauchen aber gut strukturiertes Onboarding zu lokalen Bau- und Regulierungsstandards.

Wer Neueinstellungen bei volatilen Auftragsbeständen komplett einfriert, gerät bei anziehender Konjunktur in einen Rekrutierungsstau, da dann strukturelle Knappheit und aufgeschobener Bedarf sich akkumulieren. Da sich der Kandidatenkreis kaum kurzfristig erweitern lässt, verschafft kontinuierlicher Kontakt- und Pipelineaufbau einen Vorsprung, sobald neue Projekte anlaufen.

Erfahrene Ingenieure sind überwiegend in festen Positionen und eher weniger oft auf Jobsuche. Direktansprache über Netzwerke und fachspezifische Communities erreicht diesen passiven Kandidatenkreis viel besser als eine klassische Stellenanzeige. Wo Anzeigen dennoch eingesetzt werden sollen, erhöhen beispielweise konkrete Projektdetails und ein gutes Anforderungsprofil die Glaubwürdigkeit.

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